Vorlauftemperatur — der Haupthebel
Die Vorlauftemperatur ist die Wassertemperatur, die die Wärmepumpe an deine Heizkörper oder die Fußbodenheizung liefert. Sie taucht in diesem Wissenshub immer wieder auf, weil sie zwei Dinge gleichzeitig bestimmt: ob eine Wärmepumpe deine bestehenden Heizkörper überhaupt warm genug bekommt — und wie effizient sie dabei arbeitet.
Warum die maximale Vorlauftemperatur zählt
Alte Heizkörper (Baujahr 1970er/80er) wurden oft für hohe Vorlauftemperaturen ausgelegt — historisch 70 °C oder mehr. Ob eine Wärmepumpe dafür geeignet ist, hängt davon ab, welche maximale Vorlauftemperatur sie überhaupt erreichen kann.
Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen mit dem Kältemittel R290 (Propan) als Monoblock-Geräte erreichen inzwischen 70–75 °C. Ein Beispiel aus einem realen Projekt (Stand Mitte 2026): Sowohl der Stiebel WPL-A 10.2 Plus als auch der Buderus WLW186i erreichten 75 °C — beide damit grundsätzlich für Altbau-Heizkörper geeignet. (Hinweis aus demselben Projekt: Ältere oder Drittanbieter-Unterlagen nannten für den Stiebel teils nur 65 °C — das aktuelle Datenblatt der „.2 Plus"-Variante gibt 75 °C an. Prüfe bei jedem Modell das aktuelle Datenblatt, nicht ältere Zusammenfassungen.)
Warum niedriger trotzdem besser ist
Dass eine Wärmepumpe 75 °C kann, heißt nicht, dass sie 75 °C sollte. Das Kapitel „Warum eine Wärmepumpe anders tickt" hat es schon vorgerechnet: jedes Grad weniger Vorlauf spart Strom — grob 8–12 % weniger Verbrauch, wenn du von 50 °C auf 45 °C gehst. Und das Effizienz-Kapitel hat gezeigt, warum: SCOP55 (55 °C Vorlauf) liegt bei jeder Wärmepumpe deutlich unter SCOP35 (35 °C Vorlauf) — niedrigerer Vorlauf bedeutet höhere Effizienz, praktisch ausnahmslos.
Merke: Die maximale Vorlauftemperatur ist eine Eignungsfrage („passt die Wärmepumpe technisch zu meinen Heizkörpern?"). Die tatsächlich gefahrene Vorlauftemperatur ist eine Effizienzfrage („was kostet mich das im Jahr?"). Ziel ist immer: so kühl wie der Komfort im Haus es zulässt — nicht das technische Maximum als Standard.
Was das für dich bedeutet
- Frag jedes Angebot nach der maximalen Vorlauftemperatur des konkreten Modells — mit aktuellem Datenblatt, nicht aus dem Gedächtnis des Verkäufers.
- Bei der Inbetriebnahme: Starte die Heizkurve niedrig und taste dich nur so weit nach oben, wie es an einem wirklich kalten Tag nötig ist (siehe „Warum eine Wärmepumpe anders tickt").
- Wenn eine spätere Sanierung ansteht (Dämmung, größere Heizkörper, Fußbodenheizung), sinkt die nötige Vorlauftemperatur weiter — und damit die Betriebskosten. Wie man die Wärmepumpe richtig dimensioniert, inklusive einer sanierten statt der alten Heizlast, ist Thema eines späteren Kapitels.