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Grundlagen · Kapitel 09

Vorlauftemperatur — der Haupthebel

Die eine Zahl, die entscheidet, ob eine Wärmepumpe zu deinen alten Heizkörpern passt — und die Effizienz mehr beeinflusst als jede andere Einzelgröße.

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Die Vorlauftemperatur ist die Wassertemperatur, die die Wärmepumpe an deine Heizkörper oder die Fußbodenheizung liefert. Sie taucht in diesem Wissenshub immer wieder auf, weil sie zwei Dinge gleichzeitig bestimmt: ob eine Wärmepumpe deine bestehenden Heizkörper überhaupt warm genug bekommt — und wie effizient sie dabei arbeitet.

Warum die maximale Vorlauftemperatur zählt

Alte Heizkörper (Baujahr 1970er/80er) wurden oft für hohe Vorlauftemperaturen ausgelegt — historisch 70 °C oder mehr. Ob eine Wärmepumpe dafür geeignet ist, hängt davon ab, welche maximale Vorlauftemperatur sie überhaupt erreichen kann.

Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen mit dem Kältemittel R290 (Propan) als Monoblock-Geräte erreichen inzwischen 70–75 °C. Ein Beispiel aus einem realen Projekt (Stand Mitte 2026): Sowohl der Stiebel WPL-A 10.2 Plus als auch der Buderus WLW186i erreichten 75 °C — beide damit grundsätzlich für Altbau-Heizkörper geeignet. (Hinweis aus demselben Projekt: Ältere oder Drittanbieter-Unterlagen nannten für den Stiebel teils nur 65 °C — das aktuelle Datenblatt der „.2 Plus"-Variante gibt 75 °C an. Prüfe bei jedem Modell das aktuelle Datenblatt, nicht ältere Zusammenfassungen.)

Warum niedriger trotzdem besser ist

Dass eine Wärmepumpe 75 °C kann, heißt nicht, dass sie 75 °C sollte. Das Kapitel „Warum eine Wärmepumpe anders tickt" hat es schon vorgerechnet: jedes Grad weniger Vorlauf spart Strom — grob 8–12 % weniger Verbrauch, wenn du von 50 °C auf 45 °C gehst. Und das Effizienz-Kapitel hat gezeigt, warum: SCOP55 (55 °C Vorlauf) liegt bei jeder Wärmepumpe deutlich unter SCOP35 (35 °C Vorlauf) — niedrigerer Vorlauf bedeutet höhere Effizienz, praktisch ausnahmslos.

Merke: Die maximale Vorlauftemperatur ist eine Eignungsfrage („passt die Wärmepumpe technisch zu meinen Heizkörpern?"). Die tatsächlich gefahrene Vorlauftemperatur ist eine Effizienzfrage („was kostet mich das im Jahr?"). Ziel ist immer: so kühl wie der Komfort im Haus es zulässt — nicht das technische Maximum als Standard.

Wie du im Bestand niedrig kommst

Bei einer Sanierung senkst du die nötige Vorlauftemperatur durch:

  • Dämmung und Fenstertausch → geringere Heizlast → niedrigerer Vorlauf reicht.
  • Größere oder bessere Heizkörper bzw. Flächenheizung (Fußboden/Wand) → mehr Fläche gibt dieselbe Wärme bei kühlerem Wasser ab.
  • Hydraulischen Abgleich (für die Förderung ohnehin nötig) → jeder Heizkörper bekommt genau die richtige Wassermenge, statt dass die ersten in der Reihe zu viel und die letzten zu wenig abbekommen.

Zielmarke, wenn machbar: Auslegungs-Vorlauf ≤ 45 °C.

Der Sonderfall Einrohrheizung

Alte Einrohrsysteme (Heizkörper in Reihe statt parallel verschaltet) brauchen tendenziell hohe Vorlauftemperaturen — der ungünstigste Fall für eine Wärmepumpe. Ist das dein Haus, sollte ein Umbau auf Zweirohr oder ein Heizkörpertausch mitgedacht werden. Lass jeden Wärmepumpen-Installateur die Heizkörper konkret bewerten, nicht nur eine kW-Zahl nennen.

Was das für dich bedeutet

  • Frag jedes Angebot nach der maximalen Vorlauftemperatur des konkreten Modells — mit aktuellem Datenblatt, nicht aus dem Gedächtnis des Verkäufers.
  • Bei der Inbetriebnahme: Starte die Heizkurve niedrig und taste dich nur so weit nach oben, wie es an einem wirklich kalten Tag nötig ist (siehe „Warum eine Wärmepumpe anders tickt").
  • Wenn eine spätere Sanierung ansteht (Dämmung, größere Heizkörper, Fußbodenheizung), sinkt die nötige Vorlauftemperatur weiter — und damit die Betriebskosten. Wie man die Wärmepumpe richtig dimensioniert, inklusive einer sanierten statt der alten Heizlast, ist Thema eines späteren Kapitels.

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