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Lokale Steuerung ohne Cloud: Modbus, Home Assistant & evcc

Warum es sich lohnt, Speicher und Wärmepumpe selbst lokal zu steuern — und welche Marken das leicht oder schwer machen.

Lokale Steuerung ohne Cloud: Modbus, Home Assistant & evcc

Viele PV- und Wärmepumpensysteme lassen sich nur über die App und die Cloud des Herstellers steuern. Das funktioniert — bis der Hersteller die App ändert, ein Abo einführt oder die Cloud abschaltet. Wer stattdessen lokal steuert, behält die Kontrolle: eigene Logik für dynamische Stromtarife, PV-Überschuss-Nutzung, kein Abo, kein Lock-in.

Dieser Beitrag erklärt, wie lokale Steuerung technisch funktioniert und welche Marken sie leicht oder schwer machen.

Was „lokale Steuerung" bedeutet

Zwei verschiedene Dinge stecken hinter dem Begriff:

  • Lesen (Monitoring): Erzeugung, Verbrauch, Speicherstand im eigenen Netzwerk sehen — das können fast alle.
  • Schreiben (Steuern): dem Wechselrichter aktiv befehlen, den Speicher jetzt zu laden (weil der Strom gerade billig ist) oder zu halten. Das ist der Punkt, an dem sich die Marken unterscheiden.

Das Werkzeug dafür ist meist Modbus TCP — ein offenes Protokoll, über das ein Gerät im Heimnetz (ein Raspberry Pi, ein Home-Assistant-Server) mit dem Wechselrichter spricht. Der Smart Meter meldet intern an den Wechselrichter; du verbindest dich nur mit dem Wechselrichter über das LAN.

Warum das wichtig ist

  • Dynamischer Tarif: Mit einem Tarif wie Tibber oder aWATTar willst du den Speicher laden, wenn der Strom billig ist, und entladen, wenn er teuer ist. Das ist lokal gratis machbar.
  • PV-Überschuss: überschüssigen Solarstrom gezielt in Speicher, Wärmepumpe oder Auto lenken, statt ihn günstig einzuspeisen.
  • Keine Cloud-Abhängigkeit: funktioniert auch, wenn die Herstellerserver ausfallen oder ein Abo eingeführt wird.

evcc ist das empfohlene Open-Source-Werkzeug dafür: Es übernimmt die Rolle des Batteriemanagers und regelt das saubere Zusammenspiel von Eigenverbrauch, Mindestladestand und Tarif-Logik, statt dass du alles selbst programmierst.

Der wichtigste technische Fallstrick: Lesen UND Schreiben gleichzeitig

Sobald du dem Wechselrichter Befehle schickst, wirst du zum Batteriemanager — der Wechselrichter führt aus, was du sagst, und macht seine eigene Eigenverbrauchslogik nicht mehr selbst. Du musst dann selbst an Eigenverbrauch, Mindestladestand und ein Ausfallverhalten denken (deshalb evcc statt Handarbeit).

Und hier unterscheiden sich die Marken hart:

Fronius (GEN24 / Verto): Wird „Wechselrichter-Steuerung über Modbus" aktiviert, sind laut Handbuch keine Modbus-Teilnehmer mehr möglich — „Daten senden und empfangen ist zum selben Zeitpunkt nicht möglich." Man muss ausweichen: über die Solar API (HTTP) lesen und über Modbus schreiben (getrennte Kanäle). Die Batterie belegt zudem 2 Modbus-Teilnehmerplätze.

Sungrow (SH-T-Serie): Das Handbuch erlaubt ausdrücklich, dass „ein geeignetes EMS oder ein Logger von Drittanbietern das Laden und Entladen der Batterien über Modbus TCP steuert." Lesen und Schreiben laufen gleichzeitig, keine Fronius-artige Sperre. Das EMS steht standardmäßig auf Eigenverbrauch und kehrt bei Leerlauf dorthin zurück — ein sauberes, dokumentiertes Ausfallverhalten.

Marken-Realität für lokale Batteriesteuerung

Von „einfach" zu „fummelig", grob eingeordnet (Stand 2026, für DIY-Steuerung):

Victron → Sungrow ≈ SMA ≈ Sigenergy → GoodWe → Fronius → Huawei → Tesla/Enphase

Wichtig: Keiner der gängigen Hybrid-Wechselrichter ist wirklich „geschlossen" — aber der Aufwand unterscheidet sich deutlich. Sungrow und GoodWe liegen am freundlichen Ende; Fronius ist der fummeligste der verbreiteten Marken (wegen der Lese-/Schreib-Einschränkung oben). GoodWe bringt zudem eine offizielle Home-Assistant-Integration und ein kostenloses HEMS mit, hat aber eine kleinere Community als Sungrow.

Das Cloud-Abo-Thema am Beispiel Fronius

Fronius' Solar.web Premium (~36 €/Jahr, Cloud) enthält den „Energiekosten-Assistenten", der die dynamische Tarif-Steuerung automatisch macht. Die kostenlose Basic-Version überwacht nur — automatisches preisbasiertes Laden ist auf Fronius' Software Premium-gebunden.

Das ist keine große Summe. Aber es zeigt den Plattform-Unterschied: GoodWe und Sigenergy liefern die gleiche Funktion gratis und lokal, und evcc/Home Assistant macht sie kostenlos auf jedem Wechselrichter. „Bezahlt" ist die Funktion nur innerhalb von Fronius' eigener Software.

Praktische Empfehlungen

  • Willst du wirklich selbst lokal steuern, ist die Wechselrichter-Plattform ein echtes Auswahlkriterium — nicht nur Preis und Speichergröße.
  • Prüfe vor dem Kauf die evcc-Kompatibilitätsseite für das exakte Modell zum Installationszeitpunkt.
  • Lass den Installateur bestätigen, dass die Modbus-Steuerung freigeschaltet wird (bei manchen Marken braucht das ein Installateurskonto) und dass die Garantie bei lokaler Modbus-Nutzung erhalten bleibt.
  • Teste das Ausfallverhalten: Netzwerkkabel zum Pi während des Ladens ziehen und schauen, ob der Wechselrichter sauber in sein internes Verhalten zurückkehrt.

Fazit

Lokale Steuerung ohne Cloud ist möglich, kostenlos und für viele das eigentliche Ziel — aber wie leicht sie gelingt, hängt stark von der Marke ab. Wenn „eigener Algorithmus, lokal, ohne Kompromiss" für dich zählt, wähle die Plattform danach aus. Sungrow ist derzeit die offenste der verbreiteten Optionen, GoodWe eine gute Alternative mit gratis HEMS, Fronius machbar aber fummelig.

Marken-Verhalten und Software-Unterstützung ändern sich mit Firmware-Updates — prüfe die Details für dein konkretes Modell zum Kaufzeitpunkt.

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