Angebote ehrlich vergleichen: die Scope-Honesty-Methode
Wer mehrere PV- und Wärmepumpen-Angebote einholt, merkt schnell: Man kann sie nicht einfach nebeneinanderlegen. Ein Anbieter rechnet etwas ein, das der nächste als Option führt. Der Speicher steht in einem anderen Kapitel als die PV-Anlage. Der Zählerschrank taucht mal als kompletter Neubau, mal nur als kleine Ertüchtigung auf. Das ist kein Zufall — es macht den Vergleich schwer.
Dieser Beitrag zeigt die Methode, mit der du Angebote fair auf denselben Umfang bringst.
Warum Angebote nicht vergleichbar sind
Angebote sind oft so strukturiert, dass ein direkter Vergleich fast unmöglich ist:
- Manche bündeln Posten, die andere als Option ausweisen (Dachintegration/Metallziegel, Backup, Zusatz-Speichermodule).
- PV und Batterie stehen in getrennten Kapiteln — beide müssen in die Summe.
- Der Zählerschrank-Umfang schwankt enorm (kompletter Neubau vs. reine §14a-Modernisierung).
Das Prinzip: auf denselben Umfang normalisieren
Bevor du vergleichst, bringe jedes Angebot auf denselben Umfang. Optionale Zusatzposten (Metallziegel, Backup, zusätzliche Batteriemodule) behandelst du einheitlich — entweder in jeder Summe oder in keiner, und du sagst dazu, wie du es gemacht hast.
Die häufigsten realen Fehler
Alle diese sind in einem echten Projekt tatsächlich passiert:
- Batterie nicht in die PV-Summe eingerechnet (weil sie in einem eigenen Kapitel stand).
- Dachziegel/Backup als „enthalten" gewertet, obwohl sie optionale Einzelposten waren — in einem Fall ein Unterschied von rund 2.400 €.
- Zählerschrank: Ein Anbieter baut einen kompletten neuen 2-Feld-Schrank; ein anderer modernisiert nur den bestehenden nach §14a. Bei alten Schränken (z. B. Baujahr 1972) kann das 1.350–4.200 € ausmachen. Das ist ein großer versteckter Unterschied.
- Wallbox: Gerät enthalten vs. nur der Anschluss — rund 1.200 € Unterschied.
Und: Prüfe per OCR ausgelesene Zahlen visuell gegen das Original-PDF — Ziffern werden falsch erkannt.
Die Vergleichs-Systematik
- Führe eine kanonische Tabelle: ein Reiter pro Anbieter plus ein Shortlist-Reiter mit identischen Kriterienzeilen über alle Spalten.
- Neue Anbieterspalten hinzufügen, statt bestehende zu überschreiben (Historie bewahren) — außer wenn ein Angebot ausdrücklich durch ein neues ersetzt wird.
- Gliedere den Shortlist-Reiter in Abschnitte: PV-Preise → PV-Technik → WP-Preise → WP-Technik → Gesamtkosten → Service/Risiko → Fazit. Nutze Farben (grün = gut, gelb = klären, rot = Risiko).
- Rechne die Effektivkosten = brutto − Förderung auf gleichem Umfang. Nenne jede Annahme.
Klarstellen und nachverhandeln
- Lass umfangskritische Punkte schriftlich in die Auftragsbestätigung aufnehmen — Standard-AGB sagen oft, dass Datenblatt-Angaben „nur beschreibend, nicht garantiert" sind.
- Achte auf Vertragsformulierungen, die Pauschalpositionen auf eine kleinere Anlagengröße deckeln als tatsächlich geplant (z. B. „bis 15 kWp", während die Anlage 17,6 kWp hat) — eine Aufpreis-Lücke.
- Sequenz der Unterschriften beachten: z. B. das 14-tägige Widerrufsrecht nicht aufgeben, bevor die umfangskritischen Punkte bestätigt sind.
Fazit
Der günstigste Angebotspreis ist selten der ehrlichste Vergleich. Bring erst alle Angebote auf denselben Umfang — Optionen einheitlich, Batterie eingerechnet, Zählerschrank explizit verglichen — und rechne dann die Effektivkosten. Oft dreht sich die Rangfolge, sobald der Umfang stimmt.
Ein separater Beitrag stellt die Vergleichs-Vorlage (Excel) zum Download bereit.